Dienstag Nachmittag, 11.11.2014, wird von der Schule die Besichtigung
des Londoner Towers angeboten. Der Tower, eine Festung, war Gefängnis,
Schatzkammer, Müntzstätte und Sternwarte. Heute noch enthält der Tower
die Kronjuwelen. Er wurde nie erobert. Wir schauen uns
allerdings nur von außen die Poppies an, bzw. die Installation, die
anläßlich des 100. Jahrestages des Veteranengedenktages und des 1.
Weltkrieges aufgebaut wurde. 880.000 rote Rosetten, Poppie genannt, aus
Keramik wurden im Festungsgraben installiert, jede für einen toten
britischen Soldaten oder Zivilisten im 1. Weltkrieg. Viele Londoner
haben sich eine kleine Stoffrosette gekauft und tragen sie am Jackett
oder Kleid.
Heute ist der letzte Tag und es ist noch mal mächtig Betrieb.
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| Der Tower von oben. Gut zu sehen, die Installation. Das Foto ist jetzt nicht von mir. |
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| Die Installation |
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| Der Tower mit den nächtlichen Schauern |
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| Tower-bridge |
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| Blick aufs südliche Ufer gegenüber dem Tower |
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| nächtlicher Kampfradler, ausnahmsweise stehend |
Danach ziehen wir weiter durch die Tower-Bridge und kehren in einen Pub ein. 1
Koreaner, 1 Russe, 2 Schweizer, 2 Brasilianer, 1 Kolumbianerin, 1
Japanerin und ich. Der großer, blonder Russe mit weichem Fleisch (wir
haben uns mehrfach die Hand gegeben), heißt Kirill und kommt aus Wladiwostok. Er
arbeitet bei seinem Vater, dem ein Kohlenhandel gehört. Sie verkaufen
Kohle an die Chinesen und verdienen wohl recht gut damit. Er ist noch
jung, hat aber bereits ganz die Geschäftgebahren eines erfolgreichen
Businessmans. Wir unterhalten uns kurz über die Ukraine und die Krim,
die nach seiner Meinung schon immer russisch war und deshalb braucht
sich niemand zu beschweren, dass die Russen sie sich nehmen, bevor der
Amerikaner das tut. Ok, lassen wir das. Der Mensch ist gut, die Leut
sind schlecht. Kirill schmeißt die Runden, Tequila, Wodka gibt es
nicht, und nach kurzer Zeit lichten sich die Reihen. Ich meine bei den
Runden.
Gegen 21 Uhr gehe ich. Der Älteste nach mir ist vielleicht
25, die anderen um die 20 und vertragen tun sie halt nichts. Zum
Wettsaufen mit Kirill habe ich keine Lust, nach 4 Runden habe ich auch
genug.
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| Themse-Schiff |
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| Dasselbe |
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| Die Tower-Bridge mit dem außer Dienst gestellten Kriegsschiff |
Leicht angeschlagen mache ich mich auf den Heimweg. Vera hat mir ja
empfohlen den Weg am Südufer der Themse vom Tower bis zum Parlament zu
gehen. Das mache ich jetzt und laufe dann auch gleich ganz nach Hause bis zur Vauxhall-Bridge, Kricket-Oval,
Camberwell New Road.
Es ist noch viel los auf den Straßen, es regnet
leicht, aber es ist nicht kalt. Ein farbenprächtiges Spektakel bietet
sich den Fußgängern an.
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| Brücke, blau |
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| Brücke, auch blau (so wie ich) |
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| Bürogebäude am Ufer |
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| Das Londoner Auge schläft (fährt nicht mehr) |
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| County Hall, Sitz der Greater London Verwaltung |
Gegen 23 Uhr laufe ich dann in die Flodden Road ein, wo ich wohne. Meine
"Stammkneipe" laß ich diesmal aus. Ich war schon zwei mal da, weil sie
ordentliche Tische und Stühle hat, wo ich diesen Blog schreiben kann.
Mein Zimmer hat so etwas nicht, nur Bett und Schränke. Außerdem gibt es
hier ordentliches Bier und gute, laute, alte Rockmusik, was das
Schreiben außerordentlich erleichtert.
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| Meine Stammkneipe. Ist so, wie sie aussieht. Einfach, unkompliziert, lange nicht renoviert, verlängertes Wohnhzimmer. Frisches Bier, Billiardtisch, laute Musik, soziales Netzwerk für die Gegend, Smartphone überflüssig. |
Heute, Mittwoch, bleibe ich nach der Schule gleich in der Stadt. Ich gehe in ein indisches
Restaurant, Nähe Victoria-Station, wo ich der einzige Gast bin und mich ausführlich mit dem
Kellner unterhalte. Der kann etwa so gut englisch wie ich. Also es geht
so mit der Verständigung.
Das Essen ist gut und kostet 8 Pfund, das Bier 5 Pfund. So ist das.
Dann mache ich mich auf zum British Museum. Abwechslungsreiche
Fahrt mit dem Bus, am Hydepark vorbei. Von oben kann man im Doppeldecker
gut das bunte Treiben sehen, viel Verkehr, die Sonne kommt raus,
zwischendurch kleine Parks und Denkmäler.
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| In der Nähe des Museums etwas besinnliches |
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| Das British Museum |
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| Die Währungen in England und in Deutschland im 18. Jahrhundert |
Im Museum gibt es die Ausstellung, "Germany - Memories of a Nation". Nicht schlecht, sehr sachlich, doch sehr komprimiert. Nein,
eigentlich zu kurz. Es sind tolle Ausstellungsstücke dabei, aber die
Wiedervereinigung kommt mit einem kurzen Video aus (jubelnde Ossis nach
dem Mauerfall), die DDR überhaupt nicht, die Weltkriege werden
gestreift, der 30-jährige Krieg und der Bauernkrieg kommen überhaupt
nicht vor, die Trennung von Habsburg wird nur in einem Satz erwähnt. Ich meine, die
militärisch sinnlose Zerstörung der deutschen Städte und damit der Erinnerung an das Mittelalter durch die britische
Luftwaffe wäre auch mal einer, möglicherweise sogar kritischen,
Erwähnung wert gewesen. Die KZ bzw. die Zufahrtswege dazu haben sie nicht angegriffen.
Ein interessantes Dokument habe ich
fotografiert. Es zeigt anschaulich die Zerstückelung, man kann auch
sagen, die Vielfalt, die auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands
existierte. Die jeweils gültigen Währungen. In England eine, in
Deutschland hunderte (ich habe es jetzt nicht gezählt, jedenfalls
viele). War das nun gut oder schlecht für die Entwicklung?
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