Mittwoch, 12. November 2014

Poppies und das "British Museum"


Dienstag Nachmittag, 11.11.2014, wird von der Schule die Besichtigung des Londoner Towers angeboten. Der Tower, eine Festung, war Gefängnis, Schatzkammer, Müntzstätte und Sternwarte. Heute noch enthält der Tower die Kronjuwelen. Er wurde nie erobert. Wir schauen uns allerdings nur von außen die Poppies an, bzw. die Installation, die anläßlich des 100. Jahrestages des Veteranengedenktages und des 1. Weltkrieges aufgebaut wurde. 880.000 rote Rosetten, Poppie genannt, aus Keramik wurden im Festungsgraben installiert, jede für einen toten britischen Soldaten oder Zivilisten im 1. Weltkrieg. Viele Londoner haben sich eine kleine Stoffrosette gekauft und tragen sie am Jackett oder Kleid.

Heute ist der letzte Tag und es ist noch mal mächtig Betrieb.

Der Tower von oben. Gut zu sehen, die Installation. Das Foto ist jetzt nicht von mir.
Die Installation


Der Tower mit den nächtlichen Schauern


Tower-bridge

Blick aufs südliche Ufer gegenüber dem Tower

 nächtlicher Kampfradler, ausnahmsweise stehend


Danach ziehen wir weiter durch die Tower-Bridge und kehren in einen Pub ein.  1 Koreaner, 1 Russe, 2 Schweizer, 2 Brasilianer, 1 Kolumbianerin, 1 Japanerin und ich. Der großer, blonder Russe mit weichem Fleisch (wir haben uns mehrfach die Hand gegeben), heißt Kirill und kommt aus Wladiwostok. Er arbeitet bei seinem Vater, dem ein Kohlenhandel gehört. Sie verkaufen Kohle an die Chinesen und verdienen wohl recht gut damit. Er ist noch jung, hat aber bereits ganz die Geschäftgebahren eines erfolgreichen Businessmans. Wir unterhalten uns kurz über die Ukraine und die Krim, die nach seiner Meinung schon immer russisch war und deshalb braucht sich niemand zu beschweren, dass die Russen sie sich nehmen, bevor der Amerikaner das tut. Ok, lassen wir das. Der Mensch ist gut, die Leut sind schlecht. Kirill schmeißt die Runden, Tequila, Wodka gibt es nicht, und nach kurzer Zeit lichten sich die Reihen. Ich meine bei den Runden.

Gegen 21 Uhr gehe ich. Der Älteste nach mir ist vielleicht 25, die anderen um die 20 und vertragen tun sie halt nichts. Zum Wettsaufen mit Kirill habe ich keine Lust, nach 4 Runden habe ich auch genug.

Themse-Schiff

Dasselbe

Die Tower-Bridge mit dem außer Dienst gestellten Kriegsschiff

Leicht angeschlagen mache ich mich auf den Heimweg. Vera hat mir ja empfohlen den Weg am Südufer der Themse vom Tower bis zum Parlament zu gehen. Das mache ich jetzt und laufe dann auch gleich ganz nach Hause bis zur Vauxhall-Bridge, Kricket-Oval, Camberwell New Road.

Es ist noch viel los auf den Straßen, es regnet leicht, aber es ist nicht kalt. Ein farbenprächtiges Spektakel bietet sich den Fußgängern an.



Brücke, blau

Brücke, auch blau (so wie ich)



Bürogebäude am Ufer

Das Londoner Auge schläft (fährt nicht mehr)

County Hall, Sitz der Greater London Verwaltung

Gegen 23 Uhr laufe ich dann in die Flodden Road ein, wo ich wohne. Meine "Stammkneipe" laß ich diesmal aus. Ich war schon zwei mal da, weil sie ordentliche Tische und Stühle hat, wo ich diesen Blog schreiben kann. Mein Zimmer hat so etwas nicht, nur Bett und Schränke. Außerdem gibt es hier ordentliches Bier und gute, laute, alte Rockmusik, was das Schreiben außerordentlich erleichtert.

Meine Stammkneipe. Ist so, wie sie aussieht. Einfach, unkompliziert, lange nicht renoviert, verlängertes Wohnhzimmer. Frisches Bier, Billiardtisch, laute Musik, soziales Netzwerk für die Gegend, Smartphone überflüssig.



Heute, Mittwoch, bleibe ich nach der Schule gleich in der Stadt. Ich gehe in ein indisches Restaurant, Nähe Victoria-Station, wo ich der einzige Gast bin und mich ausführlich mit dem Kellner unterhalte. Der kann etwa so gut englisch wie ich. Also es geht so mit der Verständigung.

Das Essen ist gut und kostet 8 Pfund, das Bier 5 Pfund. So ist das.

Dann mache ich mich auf zum British Museum. Abwechslungsreiche Fahrt mit dem Bus, am Hydepark vorbei. Von oben kann man im Doppeldecker gut das bunte Treiben sehen, viel Verkehr, die Sonne kommt raus, zwischendurch kleine Parks und Denkmäler.


In der Nähe des Museums etwas besinnliches


Das British Museum

Die Währungen in England und in Deutschland im 18. Jahrhundert

Im Museum gibt es die Ausstellung, "Germany - Memories of a Nation". Nicht schlecht, sehr sachlich, doch sehr komprimiert. Nein, eigentlich zu kurz. Es sind tolle Ausstellungsstücke dabei, aber die Wiedervereinigung kommt mit einem kurzen Video aus (jubelnde Ossis nach dem Mauerfall), die DDR überhaupt nicht, die Weltkriege werden gestreift, der 30-jährige Krieg und der Bauernkrieg kommen überhaupt nicht vor, die Trennung von Habsburg wird nur in einem Satz erwähnt. Ich meine, die militärisch sinnlose Zerstörung der deutschen Städte und damit der Erinnerung an das Mittelalter durch die britische Luftwaffe wäre auch mal einer, möglicherweise sogar kritischen, Erwähnung wert gewesen. Die KZ bzw. die Zufahrtswege dazu haben sie nicht angegriffen.

Ein interessantes Dokument habe ich fotografiert. Es zeigt anschaulich die Zerstückelung, man kann auch sagen, die Vielfalt, die auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands existierte. Die jeweils gültigen Währungen. In England eine, in Deutschland hunderte (ich habe es jetzt nicht gezählt, jedenfalls viele). War das nun gut oder schlecht für die Entwicklung?


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen