Einer meiner Mitschüler, ein Syrer, sagte nur: Sie starben, damit wir leben können.
Mmh.
Ich sagte zu der Englischlehrerin, die die Gruppe führte, angesichts des Poppies-Meers am Tower:
My grandfather was figthing in the first world war too, against the Britain. Obviously he was very succesful. Nein, habe ich nicht gesagt. Hätte meinem Großvater auch gar nicht gefallen. Der Englischlehrerin möglicherweise auch nicht.
Dazu kommt noch die Säule gegenüber Downingstreet Nr. 10, Regierungsviertel, mit der Aufschrift:
"The Glorious Dead".
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| "remembrance poppy" der "Royal British Legion" |
In Hastings ist mir eine kostenlose Zeitung in die Hände gefallen, "The Hastings Independent Press". Es ist ein Anzeigenblatt, das frei verteilt wird und von Anzeigen lebt. Aber sie haben auch eine Reihe selbst geschriebener, informativer und gut recherchierter Artikel im Blatt. Klasse gemacht. "Wir Bornheimer" für Anspruchsvolle. Auf der Rückfahrt im Zug von Hastings nach London habe ich sie gelesen. Und auf der 1. Seite ging es auch um die Poppies, aber um die weißen. Die gibt es nämlich auch, sie wurden von der nach dem 1. Weltkrieg sehr starken Friedensbewegung verteilt. Und, wer die damals trug in UK, riskierte seinen Arbeitsplatz und galt als Vaterlandsverräter.
Zu Hause habe ich ein wenig nachgelesen in Wikipedia über den 1. Weltkrieg und die Kriegsziele. Die englischen Kriegsziele, genauer die des englischen Königreichs mit Kanada, Südafrika und Australien, waren wenig glorreich. Es ging schlicht um die Kolonien in Afrika und Asien, die es vor den Mittelmächten zu verteidigen galt bzw. neu sich einzuverleiben.
Es gab richtige "Einkaufslisten", wer denn nun was bekommen sollte. Die alten europäischen, imperialisten Mächte teilten sich die Welt auf.
Da ist nichts Ehrenvolles dran, das war Imperialismus und Nationalismus pur. Das haben ja auch damals schon viele erkannt. Lenin zum Beispiel, der den Krieg als Krieg der Kapitalisten gegen die Arbeiter geißelte und an das gemeinsame Interesse der Arbeiter aller Länder appellierte, sich nicht gegeneinander aufhetzen zu lassen. Hat bekanntlich nicht geklappt. Schade eigentlich, ich finde, an dem Punkt hat er Recht gehabt.
Das werde ich dem Syrer alles noch erklären, wenn ich ihn treffe. Er arbeitet bei Samsung und soll später die Firma in Syrien vertreten.
Außerdem interessant: Der Gedanktag findet immer am 11.11. statt. Um 11 Uhr soll man 2 Minuten gedenken. Und was passiert um 11.11 Uhr in Kölle? Brauche ich, glaube ich, nicht weiter ausführen.
Nach einer Woche braven Lernens und viel Großstadt war der Hinweis von Vera für mich die Initialzündung, um "the seaside" zu besuchen. Hastings, wo Vera gerne mit ihren Klassen auf Klassenfahrt geht und das ein altes Schmugglerdorf war.
Nun, ich bin nicht weiter in die Geschichte dieses Ortes eingedrungen. Ich habe das Meer gesehen und genoßen, bin durch den Naturpark gewandert, habe mir den Wind um die Nase wehen lassen, bin im Pub gelandet, wo es Rothaus-Pils und ein vorzügliches Fischgericht gab, habe mit einem britischen Farmer Konversation betrieben, der in einem 650 Jahre alten Haus in Hastings wohnt, und bin dann sehr zufrieden und entspannt wieder mit der Bahn zur Victoria-Station in London gefahren und von dort mit dem Bus nach Hause. Herrlich!
| Strandpromenade in Hastings |
| Burg aufm Berg |
| Die Beach |
| Der Ort. Altes Fischerdorf, Schmugglernest |
| Hier wohnte Admiral Lord Nelson. Oder? |
| Kleine Fischerboote und Fischerhäuser |
| Langsam geht die Sonne unter |
| Der Naturpark, sehr groß und weitläufig. |
| Nur wenige Straßen, die in den Park führen |
| Blick vom Park aus auf das Meer |
| Oben ist die Burg, dahinter beginnt der Naturpark |
| Netter Pub zum Abschluß. Dann 2 Stunden Heimfahrt. Hat alles gut geklappt. |

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