Mittwoch, 19. November 2014

Camden Market

Also, Camden Market war jetzt net so der Burner. So eine Art Oxfordstreet für Arme. Wenn Dir der 20. Imbißhändler seine "very good chinese food" aufdrängt, nervt das. Klar, den Punks wird was geboten, jede Menge Nagelstiefel und Piercings-Salons. Aber das ist jetzt ja auch nicht mehr der neueste Trend. Ansonsten viele Klamotten, Schmuck, Nippes, eine Mischung von Kirmes und Weihnachtsmarkt. Keine geschlossenen Räume, alles wirkt etwas gewollt provisorisch und improvisiert. Etwa so alternativ und frisch das Publikum bei einer Stunksitzung. Man wird halt zusammen älter.

Vielleicht bin ich zu kritisch, vielleicht zu alt, aber mich spricht es nicht an.




Straßenmusiker


Straßenbild


Kleider


Schuhe


Etwas Wasser


Fast Food auf schnellen Rädern mit Blick auf etwas Wasser


Do you want eat anything?


Stapels market


Oxfordstreet für Arme. Ist das jetzt gemein?


Regents Park

Also trinke ich einen Latte beim Italiener, der sich als Grieche herausstellt und gehe weiter in den nahe gelegenen Regent's Park. Herrlich! Natur! Richtige alte, große Bäume und ein toller Ausblick. Bin halt doch zum Landei mutiert, dass ich darauf so anspringe. Fühle mich gleich wohler.



Gute Aussicht auf die Stadt


Hallo London Eye, ich seh Dich!


Links trainieren die Sportler


Im Park weiter unten trainieren Rugbyspieler, es wird Fußball gespielt und ein Spiel, das ich noch nicht kannte. Zwei Mannschaften kämpfen um eine Frisbiescheibe. Man muß sie hinter eine Linie bringen, wer die die Scheibe hat, darf sich nicht mehr bewegen., Es wird viel gerannt, man muß präzise passen und fangen, es scheint großen Spaß zu machen.


Richtig schöner Park


Im Bus bei der Heimfahrt


Ich glaube, die Dame stammt auch aus Jamaika

Ich fahre natürlich wieder mit dem Bus. Das Tempo des Busses entspricht etwa dem eines flotten Spaziergängers.

Damit bin ich wieder bei meinem Thema. Heute habe ich bei "Time out", einem Veranstaltungsmagazin im Internet gelesen, dass Bürgermeister Boris Johnson "gegrillt" werden soll. Zehn Mal im Jahr muß er sich den Fragen von Mitgliedern des "Greater London Councils" stellen. Machtkontrolle und so. Öffentlich vor Publikum mit Aufzeichnung fürs Internet. Finde ich nicht schlecht. Jeder Bürger kann Fragen einreichen. Bei der Rückfahrt im Bus greife ich mir den "Standard Evening", eine Zeitung, die kostenlos verteilt wird.



Breaking News: Sitze in der Stammkneipe und es läuft die ganze Zeit dermaßen geile Musik, herrlich. Und das Guinness schmeckt.


Hinten wird Billiard gespielt


Guiness is good for you and for me!


Evening Star, richtig, da war ich stehen geblieben. Der hat nun schon die Ergebnisse vom Grillens heute vormittag in der Zeitung. Überschrift:


"Boris Johnson has rejected calls from business groups to reduce segregation on the planned £50 million cycle superhighway."


"London Chamber of Commerce and Industry", die Industrie- und Handelskammer warnt vor den Radschnellwegen. Ein extra Radweg würde den Platz für die anderen Verkehrsteilnehmer verringern. Die Lieferfahrzeuge kämen nicht mehr bis vor die Tür der Geschäfte, die sie beliefern sollen. Und die Geschäfte wären bei einem speraten Radweg von ihren Käufern abgeschnitten.  Deswegen solle es nur "semi-seperate" Radwege geben, wahrscheinlich so eine Art "Suggestivstreifen".


Meine Herren, so ein Quatsch.

 

Der Plan der Stadt für einen Radweg am Themseufer, von einem Teil der Geschäftsleute kritisiert.

Die 26-jährige deutsche Radfahrerin, die durch einen LKW getötet wurde, da, wo der Radweg am Ufer verlaufen soll. Die Polizei unterstützt nicht zuletzt auf Grund dieses Ereignisses die Pläne von Boris Johnson.

Gerade ist wieder ein Radfahrer, eine junge Deutsche, tot gefahren worden. Bei meinen vielen Busfahrten sehe ich von oben jedes Mal Situationen, die einem die Haare zu Berge stehen lassen, wenn sich die Radfahrer mangels Radwegen zwischen den Autos und Bussen durchquetschen. Das ist einfach lebensgefährlich.


Der Standard schreibt weiter:
"But a spokesman for Mr Johnson said: “The Mayor is of the strong view that segregation will save cyclists’ lives and that semi-segregation would not save any more road space."


Yes Boris, bleib hart!




Morgen gehts heimwärts.

Kurzes Fazit:
Toll war es. Hier würde ich gerne mal 2 Jahre leben, um alles besser zu verstehen. Länger aber nicht. Oder öfter mal herkommen. Die Menschen sind zunächst sehr zurückhaltend, tauen dann aber durchaus auf. Ich habe keine unfreundlichen Reaktionen erlebt. Es gibt keine Hunde in der Stadt. Ich habe sie und ihre Hinterlassenschaften auch nicht vermißt. Autos in der Stadt sind überflüssig, dann bräuchte man auch keine Super Highways. Gefehlt haben mir Kultur, Muskiveranstsaltungen, Oper, Theater. Aber das läßt sich ja ändern. Das nächste Mal.



Dienstag, 18. November 2014

Windsor Castle

Wenn wir uns mal überlegen, welche 10 Gebäude auf der Welt wir in irgendeiner Weise besonders bemerkenswert, sehenswürdig oder eindrucksvoll finden, welche würden wir dann auswählen?

Ich käme, ohne lange zu überlegen, auf folgende:

Schloß Sanssouci in Potsdam mit dazugehörigem Park
Schloß Versailles
Heidelberger Schloß
Kloster Maulbronn
Straßburger Münster
Kölner Dom
Piazza dei Miraculi mit Dom und Schiefem Turm in Pisa
Berliner Dom
Eiffelturm
Monte Michel, Normandie
Libary of Congress in Washington

Auf welche Liste kommst Du, lieber Leser?

Bei mir sind es bis auf die Kongreßbibliothek und den Eiffelturm alles Gebäude des Adels oder der Kirche. Offensichtlich haben nur diese beiden Institutionen die Kraft, die Ausdauer und den Geschmack bleibende Werte zu schaffen, die wir auch noch nach hunderten von Jahren gerne sehen und toll finden. So habe ich das noch gar nicht betrachtet.

Seit heute kommt bei mir ein weiteres Gebäude auf die Liste und zwar ganz weit oben: Windsor Castle, das Schloß des englischen Königshauses. Das Schloß hat mich regelrecht umgehauen, ich war schwer beeindruckt. Das Schloss wurde unter Wilhelm dem Eroberer vor 1000 Jahren erbaut und wird seitdem ununterbrochen von den diversen Königen und Königinnen bewohnt.

1000 Jahre lang! Wo gibt es denn so etwas noch?




Im Zug nach Windsor saß ich diesem Gentleman gegenüber. Er roch ziemlich nach Schnaps. Sein altes Handy konnte er nur noch mit der Lupe lesen.


So sieht es vom Ort Windsor aus gesehen aus. Windsor selber ist auch durchaus eine Reise wert, ein netter, kleiner Ort im viktorianischen Stil.


Das Castle grenzt direkt an den Ort


Hier kann man königlich einkaufen. Ob die Queen hier morgens ihre Brötchen holt?


Die allseits verehrte Königin Victoria.


Bot Schutz vor den Feinden Englands und der Krone


Der mächtige Turm im Innern der Anlage. Mit eigener Wasserversorgung (50 Meter tiefer Brunnen), falls doch mal jemand über die Mauer kommen sollte.


St. Georgs Kapelle


Herbstlich


Teil der Festungsmauer


Blick auf die Themse von der Nordterrasse aus



Der Innenhof


Die Sankt Georgs Kapelle. Es werden täglich Gottesdienste abgehalten, denen man beiwohnen kann. Manchmal singt der Chor der Kapelle. Die Kirche ist Sitz des Hosenbandordens. Die Dame in rot war ausgesprochen freundlich. Sie erzählte mir, dass es immer eine Weihnachtsfeier gibt, bei der die Queen an ihr Personal kleine Geschenke verteilt. Sie sei eine sehr höfliche und freundliche Person. Der Umhang der Dame erinnert mich an die Kleidung der Lehrer in den Harry Potter Filmen. Ich glaube, da wurden Anleihen gemacht.





Hier geht die Queen mit ihren Hunden Gassi


Das Schloss vom Park aus gesehen


Ich bin gut 2 Stunden herumgelaufen und habe mir das Schloss von innen angesehen. Direkt beim Park befindet sich dieser nette Pub, wo ich danach gut gegessen und getrunken habe. Die Aufschrift hat mich angezogen.


Und das hängt auch an der Eingangstür.


So sieht es drinnen aus. Gerne mal wieder.


Das waren meine eigenen Fotos. Im Inneren des Schlosses durfte man keine Fotos machen. Deswegen füge ich noch ein paar Fotos ein, damit man auch davon einen Eindruck bekommt. Sie stammen von der offiziellen Seite oder Wikipedia, und da gibt es noch mehr, wer mag. Aber die Fotos können den überwältigenden Eindruck, den das Schloss mit seinen Räumen, Gemälden, Möbeln, Farben auf einen machen, nur ansatzweise wiedergeben.


Die gesamte Schlossanlage


Der große Speisesaal für 160 Gäste an einem Tisch


Hier treffen sich die Ritter des Hosenbandordens. Ihre Namen und Embleme sind an der Wand eingraviert bzw. angebracht. Es gibt immer nur 24 Mitglieder, insgesamt sind es aber über 1.000. Es gibt ihn halt schon so lange, seit 1348.


Noch mal das Gestühl der Ritter mit ihren Fahnen


St. Georgs Halle


Kleiner Speisesaal. Die Queen lädt gerne Gäste ein, die hier speisen und dann über Nacht bleiben. Nach dem Frühstück fahren sie dann wieder.



Der Ostflügel mit den Privatgemächern des Königshauses

Zum Schluß drei nette Videos, eines über das Schloß, eines über die Guards und eines über den Besuch unserer Kanzlerin bei der Queen. "Ja, but it's my duty to have busy days." Klasse.

Und ganz zum Schluß möchte ich sagen, dass ich mich von der Sprachschule abgemeldet habe. Entweder Schule oder ausführliche Besichtigungen in London und Umgebung, beides zusammen schaffe ich nicht. Und da meine Klasse zum einen Teil aus sehr, sehr eifrigen Japanerinnen und Koreanerinnen besteht, die nur lernen wollen, und zum anderen Teil aus spätpubertierenden männlichen Arabern und Türken, mit denen ich auch nicht viel anfangen kann - sie sind aber alle nett und freundlich im Umgang, da gibt es keine Probleme - hat mich da auch nichts gehalten. Ich merke auch, dass ich ganz gut ins Englische rein komme, wenn ich mit den Leuten unterwegs und auf der Straße rede. Also habe ich diese Entscheidung für mich getroffen und ich glaube, sie war gut.

Montag, 17. November 2014

Sherlock Holmes


Heute will ich mir die Ausstellung über Sherlock Holmes im Museum of London ansehen.


The man who never lived and will never die

Auf dem Weg dahin, sehe ich mir die City an, genauer gesagt, die Verbindung zwischen der City of Westminster, wo Regierung und Königshaus untergebracht sind und der City of London, dem Finanzdestrikt, wo die Banken hocken. Die Verbindungsstraße dazwischen wird "The Strand" genannt. Davon einige Eindrücke.



The Strand verläuft parallel zur Themse. Ab und zu kann man sie sehen.


Das Somerset House. Hier ist auch das King's College, die Londoner Universität untergebracht und eine große Gemäldesammlung.


Im Innenhof des Somerset Houses kann man Schlittschuh laufen.



Selten sieht man noch solche "normalen" Häuser. Die Tendenz geht eindeutig nach oben.


St. Mary-le-Strand Church, kleine Kirche zwischen lauter großen, mächtigen Gebäuden




 Ich weiß nicht mehr, wie dieses Gebäude heißt, aber es hat mir gut gefallen. Könnte auch in Paris stehen, wenn die Busse nicht wären, oder?


Der Justitzpalast. Gegenüber befindet sich die "Tempel Church". Früher war das ein Riesengebäudekomplex der Tempelritter. Als diese aufgelöst und umgebracht worden waren, hat sich die Londoner Justizbehörde das Gelände einverleibt. Heute werden hier Juristen ausgebildet. Hinter den Mauern gibt es Gärten, es ist ruhig und beschaulich.


Hier liegen 9 große Ritter des Templerordens. Leider war die Kirche geschlossen.



So sehen die Marmorfiguren der Ritter aus. Die Tempelritter verstanden sich als Wächter der Pilger und Kreuzugteilnehmer, die nach Jerusalem reisten. Sie sind der Urtyp des mittelalterlichen Ritters.  Bild aus dem Netz.


Mitten in der Steinwüste diese Oase.




Zurück auf "The Strand". Jedes Gebäude hat seine ganz eigene Architektur.


Sieht teuer aus, ist teuer. Ich habe einen Burger gegessen, 15 Euro. Geschmeckt hat er nicht besonders.


Auch Banker müssen essen. Viele kleine Pubs, Imbisse und vornehme Restaurants.


St. Paul's Cathedral, Sitz der Londoner Diözese und Pfarrkirche des britischen Commenwealth. Ein Riesenteil, das aber Eintritt kostet.


Überall wird gebaut.


Kaum vorstellbar, dass es immer noch zuwenig Büroraum gibt. Das gibt doch irre logistische Probleme, die Menschen zu versorgen, die hier untergebracht werden. Und dann der Verkehr. Auf den Hauptstraßen ist doch jetzt schon Stau. Wenn jetzt noch tausende von Autofahrern dazu kommen, wo sollen die fahren, wo ist der Platz, um ihre Autos abzustellen?





Jetzt sind wir da, am anderen Ende von "The Strand" sitzt die Bank of England. Das Zentrum des Finanzdestrikts von London, das Herz des Kapitalismus.


 
Rund um die alterwürdige "Bank" ragen die Hochhäuser in den Himmel.




Glaspalast auf dem Weg zum "Museum of London"


Da wächst kein Gras mehr.


Das "Museum of London", eingerahmt von gewaltigen Gebäuden


Na endlich, was römisches. Mauerreste aus römischer Zeit.


Möchte man hier arbeiten? Eher nicht.


Im Museum. So hat London mal ausgesehen. 50 nach Christus als römisches Lager.





Die Kutsche, mit der der Londoner Bürgermeister einmal im Jahr vorfährt.


Es gab und gibt viele Sherlock Holmes Darsteller. Die Austellung zeigt sie. Ansonsten werden Filmausschnitte diverser Verfilumgen gezeigt, sowie Fotos und Gemälde vom alten London, also Anfang des 19 . Jahrhunderts. Einritt: 10 Pfund.


Seine wichtigsten Utensilien


Die berühmte Tür zu seiner Wohnung


Was tippen die bloß alles?
Der Platz ist eng. Da führt die Straße durch das Haus durch. Oder die Straße wurde überbaut.
Ich bin am Ende der Tour, erst durch The Strand, dann zum Museum von London, das etwas Stadtgeschichte zeigt anhand alter Fotos und Dokumente aus der Frühzeit und Steinzeit. Zum Schluß bummele ich noch etwas durch die bereits weihnachtlich geschmückte Oxfordstreet. Früher, in der guten, alten Zeit nannte man das Konsumterror.


Oxfordstreet, die Haupt-Einkaufsstraße.

Zu Hause angekommen, lese ich, dass ein Cyclist Superhighways, in London kurz CS genannt, genau da verlaufen soll, wo The Strand verläuft. Also exact die Strecke, die ich heute gelaufen bin.


Zwei CS, von Westminster zum Tower Hill = The Strand. Der andere CS von Nord nach Süd, vom Elephant zu Kings Cross, Oxfordstreet. Quelle: Financial Times vom 10.10.2014

Und so soll es dann mal aussehen:


Wird noch etwas daueren: Radschnellweg durch die Londoner Innenstadt. Aber der Druck wächst. Und zwar gerade auch von den großen Unternehmen in der City, wie man dem Artikel in der Financial Times entnehmen kann. Ich denke mal, dass viele dieser drahtigen, sportlichen Radfahrer hier arbeiten. Das sind ehrgeizige Angestellte mit wenig Zeit, denen es auch keinen Spaß macht, jeden Tag ihr Leben zu riskieren. Und sie sind durchsetzungsstark und haben etwas zu sagen. Natürlich fürchtet die Autolobby um ihre Vorrechte. Aber London wurde halt nicht für Geländewagen und Sportwagen gebaut, sondern für Fußgänger und Kutschen. Da sind das Rad, der ÖPNV und Taxis das angemessene Verkehrsmittel, nicht aber der MIV (Motorisierte Individual Verkehr).