Sonntag, 9. November 2014

Ankunft

Der Tag ist sonnig, kalt, herbstlich. Ich bin durchaus etwas angespannt. Die große Stadt, das fremde Land, die Fahrt unter dem Meer hindurch. Das ist man als Renter ja nicht mehr gewöhnt, soviel Unruhe.



Koffer, Rucksack und über der Schulter das Klapprad.
Bornheim-Roisdorf, 10.58 Uhr


Vera bringt mich zum Bahnhof. Der Zug kommt pünktlich und 6 Stunden später stehe ich in London auf dem Sankt Pancras Bahnhof und halte nach einem Taxi Ausschau.

St. Pancras Station, 16.03 Uhr Ortszeit (1 Stunde Verschiebung)

Bemerkenswert war eigentlich nur Kontrolle beim Einstieg in den Eurostar, den Zug, der den Eurotunnel durchquert. Wie am Flughafen, Gepäck aufs Förderband, Personenscanner, Abtasten, Personalausweis, das ganze Programm.


Warteraum nach der Kontrolle

Wie im Flieger. Die Kanaldurchquerung selbst ist unspektakulär. 
Man fährt halt 20 Minuten durch einen Tunnel und es knackt in den Ohren.

London am Sonntag Abend ist lebendig, voll, viele Lichter, viele Autos, enge Straßen. Das Taxi darf die reservierte Busspur benutzen. Daneben auf einem vielleicht 50 cm breiten Streifen fahren die Radler. Der Taxifahrer meint, das reicht "für die da". Ich sehe, wie die Radfahrer immer wieder abgedrängt werden und wahnsinnig aufpassen müssen, nicht zu kollidieren. Ich sehe nur junge Leute auf dem Rad, mit Helm, sehr schnell fahrend. Nichts für normale Menschen, so der erste Eindruck.

Mein Haus ist vorne verschlossen. Aus dem Nachbarhaus kommen drei schwarze Reggaetypen heraus. Ich frage sie, ob das Haus bewohnt ist. Ja, eigentlich schon, meint einer freundlich. Aber genau wisse er das nicht.

Gut, hinten herum finde ich dann einen Eingang, wo mich ein kleines Kind von ca. 5 Jahren empfängt und sofort schreit: Komm, ich zeige Dir Dein Zimmer!
Eine dicke, schwarze, ältere Frau schleppt sich heran, fragt wie ich heiße und erläutert, dass ihr die Knie weh tun, das Kind würde mir zeigen, wo es lang geht. Sie spricht mit starkem Akzent, ich vermute Karibik.

Mein Zimmer liegt im Keller, vornehmer gesagt, im Souterrain. Es hat aber ein Hoch-Fenster, durch das Tageslicht eindringen kann. Die Treppe in den Keller ist verstellt, da ein Treppenlift eingebaut ist.

Die Madam zieht sich schnell wieder in ihr Wohnzimmer zurück, Fernseh gucken. Sie ist aber nicht unfreundlich.

Ich mach gleich einen Spaziergang durch "meinen" Bezirk, Southwark, die Camberwell New Road entlang. Es ist schon dunkel. Lauter Schwarze auf der Straße, ich schätze mal 70-80%. Ich finde einen chinesischen Imbiß, wo ich etwas esse, dann laufe ich noch eine halbe Stunde herum, wundere mich über den vielen Verkehr, denke mir, dass das Viertel sicher mal bessere Zeiten gesehen hat. Jetzt aber sind die alten Mieter weg und die neuen kommen aus, tja, ich vermute der Karibik und sind sicher nicht reich. Aber, und das fällt mir auf, die Straßen sind deutlich sauberer als in Bornheim. Ist die Straßenreinigung hier fixer oder schmeißen die Bewohner ihren Müll nicht einfach auf die Straße? Die Atmosphäre ist jedenfalls nicht aggressiv, eher entspannt, geschäftig. Alles haben es unheimlich eilig, nur ich schlendere und wirke sicher komisch.

Ich finde noch einen Pub um die Ecke und dann gehe ich früh ins Bett.


Mein erstes Bier. Jedenfalls in London.

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