Da ich die Oyster-Card besitze, den Ausweis für den ÖPNV in London, den ich aber nur für Busse bezahlt habe, also nicht für die U-Bahn und Regionalzüge, fahre ich mit dem Bus zum Highgate-Cemetery, oben im Norden Londons. Es dauert 1 1/2 Stunden, ich schaue wie groß London ist, durchquere viele Stadtteile mit je eigenem Zentrum und verpasse dann die entscheidende Haltestelle. Der Friedhof scheint nicht besonders bekannt zu sein bei den Einheimischen. Der Busfahrer, ein Schwarzer, wie fast alle Busfahrer, kannte ihn nicht. Es gibt auch keine Hinweisschilder, man muß sich vor Ort bei den "Highgate Hills" durchfragen.
Vielleicht gehört das schon mit zu der etwas skurrilen und ungewohnten Aura, die diesen Friedhof umgibt, dass man ihn erst mal gar nicht findet. Kein Schild, kein Hinweis. Trotzdem jede Menge Besucher.
Der Friedhof wurde von Privatleuten gegründet und machte 1960 Pleite. Erst 1975 machten sich die "Freunde des Friedhofs" daran, den Friedhof wieder begehbar und nutzbar zu machen. Was man genau machen muß, um hier beerdigt zu werden, weiß ich nicht, aber es ist offensichtlich möglich, wie das 1. Bild zeigt. Das jüngste Grab, das ich gesehen habe, war von 2013. Und man muß kein Revolutionär sein, diese hier liegen um den ollen Marx herum. Da hat sich eine Community gebildet.
| Neuere Gräber in der Nähe von Marx |
Weil er privat ist, kostet der Friedhof auch Eintritt, 4 Pounds. Damit werden besondere Gräber wieder restauriert und die Wege unterhalten. Jedenfalls einige.
| Grabsteine |
| Entspricht nicht den deutschen Friedhofsregeln |
| Friedhofsweg |
| Da ist er. Wuchtig. Eindrucksvoll. Mächtig, aber nicht bedrohlich. |
| Das Orginalgrab von Marx liegt etwas weiter weg. Dies hier ist eine Gedenkstätte, die 1956 von der Kommunistischen Partei Englands errichtet wurde. Ich finde sie sehr gelungen. |
Der Reiseführer "Marco Polo" schreibt dazu im Internet:
"Statt des simplen Grabes, das er sich gewünscht hätte, zeigt ihn die bärtige, sphinxähnliche Bronzebüste mit gerunzelter Stirn". So ein Quatsch. Das wirkliche Grab liegt 200 Meter weiter und besteht aus einer einfachen Steinplatte, die mittlerweile zerbrochen ist.
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| Das ist das Originalgrab von Marx, die zweite Platte von links. Mittlerweile ist sie zerbrochen. Schlichter geht es kaum. |
Da ist die Beerdigung von Marx eindrucksvoller zu lesen als dieses "Marco Polo-Geschwätz. Dokumentiert in Marx-Engels-Werke, Bd. 19.
| Ein junger Verehrer (von Marx) war so nett, das Foto zu machen. |
| Hat auch etwas Waldschrat ähnliches |
| Liegt bei seinem Marx |
Eric Hobsbaum (eigentlich Obstbaum) ist mir schon im Studium begegnet. Es gab für uns damals (1974) nicht so viele bekannte britische Historiker und Politologen. Er war einer davon, Bernhard Russell ein anderer. Die Zeit hat ihn beschrieben in einem Nekrolog mit dem schönen Zitat:
"Die Erfahrung des Besiegtwerdens enthält Erkenntnischancen, die ihren Anlass überdauern." Er hatte unmittelbar die Machtergreifung der Nazi in Berlin miterlebt und ist rechtzeitig nach England ausgwandert.
Hobsbaum trat 1931 dem Sozialistischen Schülerbund in Berlin bei und blieb zeitlebens Mitglied der Kommunistischen Partei Großbritanniens. Seine Ansichten kann man z.B. hier nachlesen.
| Friedhofsweg |
| Möchtest Du hier liegen? |
| Gepflegtes Grabkreuz |
| Friedhofsweg |
| Gepflasteter Hauptweg |

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